Grußwort des Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung
Liebe Freundinnen und Freunde des Open Air Filmfestes Weiterstadt,
Filme bewegen uns. Filme bringen Menschen zusammen. Und wenn wir Filme unter freiem Himmel, auf einem Filmfest gemeinsam schauen, dann ist das ein ganz besonderes Erlebnis, das verbindet, zu Gesprächen anregt und zum Feiern einlädt — Kinokultur in einer ihrer schönsten Ausprägungen. Dafür steht auch die 49. Ausgabe des Open Air Filmfests Weiterstadt.
Allein die Zahlen des Open Air Filmfests sind schon beeindruckend. 3871 Filme aus 119 Ländern weltweit haben sich um die Teilnahme beworben. Was für eine Arbeit für die ehrenamtliche Auswahljury, die bei unzähligen Absagen so manche harte Entscheidung treffen musste. Ins Programm haben es 182 Filme geschafft, bei über der Hälfte der ausgewählten Werke haben Frauen Regie geführt. Hochdekorierte Filme wie der Gewinner der Goldenen Palme Cannes für den besten Kurzfilm stehen neben ersten filmischen Gehversuchen in Filmworkshops für Kinder und Jugendliche, Filme aus Hessen stehen neben solchen von fernen Kontinenten. Einige Filme feiern hier in Weiterstadt ihre Deutschland-, Europa- oder sogar Weltpremiere. Unter den Oscarnominierten Kurzfilmen 2025 waren nicht nur solche, die nun in diesem Jahr auf dem Filmfest laufen, sondern auch Filme, die 2024 schon hier gezeigt wurden.
Es braucht viele Engagierte, um dieses vielfältige Festival auf die Beine zu stellen. Weit über 100 Menschen sind daran beteiligt, dass Weiterstadt fünf Tage lang zum Zentrum des Kurzfilms wird. Dafür danke ich allen, die sich hier einsetzen und mitarbeiten. Weiterstadt genießt in der Branche einen einzigartigen Ruf, ein herzlicher Dank an alle, die in Vergangenheit und Gegenwart ihren Teil dazu beigetragen haben.
Feiern und genießen Sie die Vielfalt des Festivals und die Vielfalt des Kurzfilms ich wünsche Ihnen viel Freude viele bewegende Filmmomente.
Timon Gremmels
Hessischer Minister für Wissenschaft und Forschung, Kunst und Kultur
Vorwort des Bürgermeisters
Liebe Filmfreundinnen und Filmfreunde, liebe Gäste des Weiterstädter Filmfests,
herzlich willkommen zu einem besonderen Highlight im Weiterstädter Kultursommer! Auch in diesem Jahr verwandelt sich unsere Stadt wieder in einen Ort der Begegnung, der Kreativität und der bewegten Bilder – mit einem erneut breit gefächerten und abwechslungsreichen Filmprogramm, das weit über die Grenzen unserer Region hinausstrahlt.
Ein besonderes Augenmerk möchte ich in diesem Jahr auf das neue Film-Zelt richten. Es steht sinnbildlich für das, was Weiterstadt ausmacht: Wir unterstützen uns gegenseitig, gestalten gemeinsam und wachsen miteinander. Dass dieses Zelt nun Teil des Festivals ist, ist dem starken Engagement vieler Menschen zu verdanken – aus der Stadt, aus der Kulturszene, von ehrenamtlich Engagierten.
Auch das Programm kann sich sehen lassen: Neben spannenden Entdeckungen und kreativen Kurzfilmperlen erwarten uns Werke von Filmschaffenden, die bereits bei anderen Festivals Preise gewonnen haben. Wir dürfen also gespannt sein auf Geschichten, Perspektiven und filmische Handschriften, die uns berühren, unterhalten – und zum Nachdenken anregen.
Ich danke allen Organisatorinnen und Organisatoren, den Helferinnen und Helfern und natürlich den Künstlerinnen und Künstlern, die das Filmfest Jahr für Jahr zu einem Erlebnis machen. Ihnen, liebes Publikum, wünsche ich anregende Gespräche, neue Blickwinkel – und viele unvergessliche Filme.
Herzlichst,
Ralf Möller
Bürgermeister
Vorwort des Filmfestteams
Herzlich willkommen zum 49. Filmfest Weiterstadt!
Herzlich Willkommen zu Tagen voller Kurzfilme. Tagen, in denen alles möglich ist: da müssen Crash Tests mit weiblichen Dummies nur auf der Beifahrerseite durchgeführt werden, in der estnischen Hauptstadt Tallinn kann man seit über 10 Jahren kostenlos den Nahverkehr nutzen, ukrainische und russische Artisten arbeiten 2024 friedlich zusammen, Anne entwirft Kleider für bedürftige Hühner, zwei Gummistiefel wollen Tulpenzwiebeln pflanzen und der Vogel Dodo ist vielleicht doch nicht ausgestorben. Klingt alles nach Fantasyfilmen in der Tradition von „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“? Nun ja, einen der Filme hat in der Tat George R. R. Martin produziert, aber in der Aufzählung ist ebenso dokumentarisches wie in unserem Programm. Und wenn es denn mal phantastisch wird: ein wenig träumen und der Realität entkommen ist derzeit geradezu Wellness-Urlaub.
Unser Programm habe sich geändert, hörten wir letztes Jahr öfter. Warum würden wir zum Beispiel so viele Filme aus dem Iran zeigen, nur weil das jetzt „woke“ wäre? Nun, zum einen erhielten wir dieses Jahr 483 Filmeinreichungen aus dem Iran – das ist in etwa ein Zehntel (!) aller Bewerbungen, die wir für das Filmfest erhalten. Ausgewählt daraus haben wir 6 Stück, auch 2024 liefen 6 iranische Filme bei uns im Programm – 2014 hingegen hatten wir 8 iranische Filme im Programm. Wir haben schon immer und werden immer so viele iranische Filme zeigen, wie sich iranische Filme in der Auswahl gegen andere durchsetzen. Iran ist ein starkes Filmland. Natürlich: unser Programm hat sich über die Jahre geändert, wie sich auch die Filme und Themen ändern. Was sich aber mindestens ebenso stark geändert hat, ist das Empfinden des Publikums. Waren früher fünf queere Filme im Programm noch „tolle Vielfalt, schade, dass es so wenige sind“, so beklagen heute manche bereits bei fünf queeren Filmen eine „Schwemme“ und werfen dem Festival vor, dem Zeitgeist hinterherzulaufen. Diese Polarisierung in der Gesellschaft gibt uns zu denken, dieses auf extremen Positionen beharren und nicht mehr miteinander reden, die Feindseligkeit gegenüber Andersartigkeit. Kürzungen in der Kultur, die doch gerade jetzt so wichtig für gesellschaftliche Diskussionen und demokratische Resilienz ist. Was ist das für eine Zeit, in der die Kulturdezernentin einer Landeshauptstadt die Aufführung eines oscargekrönten Dokumentarfilms im Kommunalen Kino der Stadt verbietet?
Überhaupt: wer denkt, dass wir Diversität als neueste Mode für uns entdeckt hätten, möge doch bitte die Programme der ersten 48 Filmfestivals durchblättern! Und das Kommunale Kino Weiterstadt, unser „Zuhause“, veranstaltet nicht nur im Oktober zum 29. das Queer Filmfest Weiterstadt (ja, das ist auch jenseits der Metropolen möglich), kooperiert zur Interkulturellen Woche des Landkreises und veranstaltet jährliche Sonderprogramme wie „India“ und „Cine Latino“. Wir nehmen nicht nur an den Schulkinowochen Hessen seit Beginn der Veranstaltung teil, wir erfüllen auch das ganze Jahr über fast jeden Wunsch nach Vorstellungen für Kindergärten, Schulen, Vereine und haben seit 5 Jahren nun mittwochs Vormittags ein Kino, zu dem wir ältere Gäste mit Rikschaservice abholen. Nachhaltig ist Vielfalt nur, wenn man sie kontinuierlich im Programm hat, und wir denken doch, das haben wir. Wer dabei mithelfen will, oder wer meint es noch bunter machen zu können: wir freuen uns über Mithilfe sowohl im Kino wie bei unseren Festivals.
Das Programm des diesjährigen Filmfestivals ist einmal mehr ein bunter Strauß voller Kurzfilme. Deren Standpunkte oft von den kreativen Köpfen dahinter sehr energisch vertreten werden. Das ist gut so, und das soll und darf zum Diskutieren anregen. Im neuen Filmzelt, dem Chapiteau des Kindercircus Gajanana der Sportgemeinde Weiterstadt, kann man das nach den Filmen mit den Filmgästen unmittelbar im Gespräch. Open Air im Braunshardter Tännchen finden die Gespräche erst einmal nur auf der Bühne statt. Das heißt aber nicht, dass man sie nicht im Publikum und in den Pausen und nach den Programmen auch mit den Filmgästen und uns weiterführen kann. Was bei allen inhaltlichen Diskussionen aber bitte nicht vergessen werden soll: wenn man im Deutschunterricht in der Schule ein Gedicht bespricht, geht es nicht nur um den Inhalt, sei es eine Romanze, sei es eine fröhlich blühende Blume. Es geht um Form, es geht um Kunst: Kreuzreim, Paarreim, Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst. Auch Film ist Kunst, und auch dieses Jahr haben uns die Filme, die wir beim Festival zeigen, genau damit überzeugt: es ist immer wieder faszinierend, was in diesem Medium möglich ist. Sprechen wir auch darüber. Und liebe Lehrer*innen, vorgemerkt: wenn demnächst das Filmfest durch das Wandern der Hessischen Sommerferien wieder in der Schulzeit liegt, werdet ihr bei unserer Kurzfilm-Schulvorstellung im Rahmen des Filmfests dann auch nicht darum herumkommen.
Wenn wir auch das Land Hessen erneut fragen, wann denn nun endlich Film – eine der wichtigsten Kunstformen der letzten 130 Jahre und ein Medium, das täglich in so vielen Formen Kinder und Jugendliche beeinflusst, zu manipulieren versucht, unterhält und beschäftigt – gleichberechtigt neben Literatur, Musik und Bildender Kunst im Schulunterricht ankommt, so danken wir im gleichen Atemzug für die erneute Förderung des Festivals. Dank geht auch an die Stadt Weiterstadt und an so viele: die Logos auf der Rückseite des Katalogs sind ganz gezielt dort, damit man sie auch bei zugeklapptem Katalog sieht. Und die Dankesliste am Ende des Katalogs ist ebenso wie dieses Vorwort dazu da, gelesen zu werden. Danke dafür. Danke, dass wir über all die Jahre so ein zahlreiches, aufgeschlossenes, filminteressiertes Publikum haben. Danke, dass so viele Filmschaffende uns ihre Werke anvertrauen. Danke, dass so viele tolle Menschen so viel Einsatz beim Festival zeigen. Das internationale Workcamp! Und was für eine Motivation auch für uns, wenn Freiwillige des Workcamps so vom Festival begeistert waren, dass sie im Folgejahr nochmals wiederkommen!
„Wieder kommen“ ist ein gutes Stichwort. Schon jetzt haben so viele alte und neue Bekannte angekündigt: „2026, zum 50. Filmfest, da sind wir auf jeden Fall wieder dabei“.
Na dann lasst uns doch dieses Jahr schon mal das feiern üben, vor allem das Feiern von großartigen Kurzfilmen – Film ab!
Offizieller Trailer 2025
Dateigröße ca. 25mb