Herzlich Willkommen zum 38. Open Air Filmfest am Braunshardter Tännchen in Weiterstadt

Vorwort des Bürgermeisters

Aus über 80 Ländern trafen in diesem Jahr Bewerbungen zum Filmfest Weiterstadt ein, 206 Filme aus 32 Ländern haben es in das Programm geschafft. Darunter Preisträgerfilme der Berlinale, von Rotterdam, Locarno, Oberhausen, Tampere, Clermont-Ferrand und anderen bedeutenden Festivals. Zahlreiche weitere Filme werden hingegen ihre Premiere in Weiterstadt feiern und machen sich dann von hier aus auf, die Welt zu erobern.

Im Vorjahr kamen Filmemacher aus elf Ländern nach Weiterstadt, um ihre Werke persönlich vorzustellen, auch in diesem Jahr haben sich Gäste aus über zehn Ländern angekündigt: Das Filmfest Weiterstadt ist im 38. Jahr seines Bestehens eine Veranstaltung, die im Konzert der international renommierten Kurzfilmfestivals mitspielt und die von vielen Branchengästen besonders wegen der einzigartigen Atmosphäre und des zahlreichen und den Filmen gegenüber sehr aufgeschlossenen
Publikums geschätzt wird.

Nachdem größere technische und logistische Umbrüche, wie die Umstellung auf die Digitalisierung und der Umzug des Filmzelts vom BMX-Gelände auf den Bolzplatz bewältigt wurden, sieht sich das Filmfest 2014 und 2015 mit einer besonderen terminlichen und personellen Herausforderung konfrontiert: zwei Jahre lang liegt der Termin genau in der Mitte der hessischen Sommerferien, und viele der in der Regel über 120 alljährlichen Helferinnen und Helfer des Festivals sind in diesen Jahren während des Filmfestes verreist. Ein großer Dank all jenen, die in dieser Zeit noch etwas mehr von den sowieso schon großen Aufgaben übernommen haben, all jenen, die kontinuierlich neu zur Filmfest-Familie stoßen, und all jenen, die in der Vergangenheit dafür gesorgt haben, dass das Filmfest dort angekommen ist, wo es heute steht.

Ich wünsche unseren Gästen aus nah und fern auch in diesem Jahr ein unvergessliches Wochenende in Weiterstadt.

Ihr

Ralf Möller

Bürgermeister

Vorwort des Filmfestteams

Turbulente Zeiten sind es für die Film- und Kinobranche, in denen man eine gehörige Portion Idealismus benötigt, um sich die Freude an der Arbeit zu bewahren. Nicht zuletzt, weil das eigentliche Kerngeschäft, die Programmauswahl, das Zeigen von Filmen, die einem wichtig sind, immer wieder von neuen Verwaltungsaufgaben, Finanzierungssorgen und Lobbyarbeit überdeckt zu werden droht. Genannt seien die erfolgte Umstellung auf Digitalprojektion mit allen Vor- und Nachteilen, die Klage gegen das deutsche Filmfördergesetz bis hin zum Bundesverfassungsgericht, gefolgt von der schon wieder anstehenden nächsten Novellierung des FFGs sowie direkt vor unserer Haustüre die geplante Neustrukturierung der Hessischen Filmförderung. In deren Zuge wird wohl das Wort „kulturelle“ vor der Filmförderung verschwinden und dafür ein „GmbH“ hinten angehängt. Dabei ist durchaus zu hoffen, dass die Chancen einer solchen Neustrukturierung genutzt werden und „neu“ auch wirklich „besser“ heißt. Eines der Stichworte, die uns Filmfestivals interessiert, ist dabei die langfristige Planungssicherheit; ganz wichtig ist uns auch, dass die hessischen Filmfestivals weiterhin in ihrer ganzen aktuellen Bandbreite unterstützt werden (den Überblick über das, was es gibt, erhält man auf www.filmfestivals-hessen.de). Das Einbeziehen der Kinos und Filmfestivals – neben dem üblichen Pool an Produzierenden – bei den vorbereitenden Gesprächen ist auf jeden Fall ein positives Zeichen. Eine weitere zentrale Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Finanzierung: Eine Neustrukturierung macht nur dann Sinn, wenn es auch mehr Geld als bisher zu vergeben gibt. Die fünfprozentige Kürzung der Fördersumme durch die hessische Filmförderung, die uns dieses Jahr wie fast alle anderen hessischen Filmfestivals getroffen hat, war schwer zu verkraften und wirft immer mehr die Frage auf, wie lange solch eine Wahnsinns-Unternehmung wie das Filmfest Weiterstadt noch realisierbar sein wird.

Dass es in diesem Jahr noch zum 38. Mal realisiert werden konnte ist, dafür gilt es einmal wieder Vielen zu danken. All jenen, die sich so unendlich viel Arbeit in ihrer Freizeit machen, um dieses Projekt zu stemmen. All jenen, die dieser ersten Gruppe so viel Spaß und Freude bereiten und in der Arbeit motivieren: unser wunderbares, den Filmen in ihrer ganzen Vielfalt so aufgeschlossenes Publikum, die Filmemacher mit ihren faszinierenden Werken (und dabei sei auch ausdrücklich jenen über tausend Filmeinsendern gedankt, deren Werke es leider nicht ins Programm geschafft haben) und all den positiven Rückmeldungen. Und – last but not least – natürlich allen, die mit finanziellen und Sachmitteln dazu beitragen, dass wir am Ende der fünf Festivaltage hoffentlich keine roten Zahlen, sondern eine solide 0 schreiben. Das sind an erster Stelle das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, die Hessische Filmförderung und die Stadt Weiterstadt. Mit unserem Partner Skoda Auto Deutschland GmbH und der Darmstädter Privatbrauerei hat unser Festival seit vielen Jahren wunderbar unkomplizierte, großzügige, verlässliche und kreative Unterstützer an seiner Seite, die uns auch mit ihren Produkten viel Freude bereiten. Die Merck KGaA finanzierte zum wiederholten Mal den Filmfesttrailer, die HSE - ENTEGA den kostenlosen Shuttleservice von Darmstadt zum Festivalgelände und zurück sowie umweltbewusst produzierte Plakate und Flyer. Die Shuttles fahren nun noch länger und täglich von Donnerstag bis Sonntag auch nach dem Ende des letzten Films zurück nach Darmstadt. Auch wieder dabei sind unser Medienpartner Frizz - Das Magazin, Bentos Eventtent, LEDvertisement und Daxl Music Veranstaltungsservice.

Genug der ernsten Worte, stürzen wir uns ins Filmvergnügen. 206 Filme (plus Open Screening) stehen auf dem Programm, die mit Ausnahme des Kurzfilmprogramms für Kinder, des Kurzfilm Poetry Slams und des Super 8 Wettbewerbs, wirklich als ein Gesamtprogramm zu sehen sind. Was etwa Freitag 13 Uhr im Filmzelt läuft (es stimmt schon, da ist in der Regel weniger Publikum anwesend als Samstag Abend zur „Primetime“) ist uns genauso lieb und wichtig sowie qualitativ genauso hochwertig wie das Open Air Programm. Die Mischung und die Reihenfolge müssen stimmen. So läuft etwa am Samstag kurz nach 13 Uhr ein absoluter Geheimtipp, eine großartige Dokumentation über Peter Rist, den Wirtschafts- und Finanzbürgermeister von Reutlingen, der Schlagersänger werden will. Der Film ist „Peter Rist, Idealist“ betitelt - und vermutlich gilt für die Politik ebenso wie für den Kulturbetrieb, dass man einfach Idealist sein muss, wenn man etwas bewegen will. Das Filmfest ist für uns auf jeden Fall mit viel Idealismus verbunden. Peter Rists Eröffnung des Haushalts der Großstadt Reutlingen ist so wunderbar und passt in Bezug auf das Filmfest wie die Faust aufs Auge, so dass wir sie einfach ausschnittsweise zitieren müssen. Somit erfolgt vor Ende dieses Vorworts eine Spoilerwarnung: erst den Film anschauen, dann noch mal nachlesen. Wir wünschen viel Spaß bei diesem und bei all den anderen Filmen und fünf wunderbare Tage in Weiterstadt!

„Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrte Damen und Herren (Sehr geehrtes Publikum, liebe Filmemacher, liebe Förderer und Sponsoren), man kann die Probleme von heute nicht mit den Methoden von gestern lösen, durch die die Probleme von heute entstanden sind, so Albert Einstein. Der Schuldensumpf macht der ganzen westlichen Welt schwer zu schaffen. Was kostet die Welt, möchte man sich fragen. Ich nenne nur die anstehende Sanierung des Rathauses und der Rathaustiefgarage mit geschätzten Kosten von 30 Millionen Euro (wir nennen die neue Technik für die Auswahlsichtung, Archivierung und die Projektion beim Filmfest) und frage in die Runde: Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld. Udo Jürgens würde hier wohl voller Ironie singen „Na und, na und, wer schwarz sieht, sieht selten bunt.“ „Ich zähle täglich meine Sorgen“, dieser Hit von Peter Alexander wurde während der Haushaltsaufstellung zur heimlichen Hymne des Finanzdezernates (nun gut, bei der Erstellung der Filmfestkalkulation haben wir nicht Peter Alexander gelauscht ...). Sie kennen alle den Titel von Johanna von Koczian „Das bisschen Haushalt macht sich von allein und kann so schlimm nicht sein“. Naja, sie meinte bestimmt damit nicht den Haushalt der Stadt Reutlingen. Wie können wir einer steigenden Verschuldung gegensteuern? „Irgendwie irgendwo irgendwann“ ...

Film ab!

 

 

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